Kunsthistorisches Forum Irsee

Das 2012 gegründete Kunsthistorische Forum Irsee konzipiert jährlich Frühjahrsakademien. Diese Tagungen widmen sich in den nächsten Jahren dem Forschungsfeld „Künstler und Gesellschaft“. Wie der Künstler in der Gesellschaft situiert ist, unter welchen Bedingungen er seine Kunst vermarktet, seine Ideen konzipiert, sich stilisiert, ein Image bedient und inwieweit er von Auftraggeber, Kunstagent, Kunstberater und Käufer abhängig ist, sind Fragen, die das Kunsthistorische Forum in diesem Zyklus interessieren.

Die Ergebnisse einer Frühjahrsakademie sollen jeweils in einem Tagungsband veröffentlicht werden. Die Publikation soll auf der jeweils folgenden Frühjahrsakademie präsentiert werden.

Künstlerfeste

 

In Zünften, Akademien, Vereinen und informellen Kreisen

Birgit Münch / Andreas Tacke / Markwart Herzog / Sylvia Heudecker (Hrsg.)

Michael Imhof Verlag GmbH & Co. KG, Petersberg 2019, 240 Seiten, mit Farb- und S/W-Abbildungen.
ISBN  978-3-7319-0831-9 
Preis: 39,95 € (in jeder Buchhandlung erhältlich) 

Künstlerfeste hatten die unterschiedlichsten Funktionen: Neben der „Katharsis“, der reinigenden Wirkung eines fröhlichen Festes, wie es einmal Walter Gropius in Bezug auf das „Bauhaus“ formulierte, ist der identitätsstiftende Aspekt zu beachten, ferner die oftmals auch ironische Abgrenzung zu anderen Kunstauffassungen bzw. Künstlergruppen. Durch wechselnde Motti der Künstlerfeste konnte man auf bestimmte politische Ereignisse reagieren, aktuelle Positionen publik machen, kulturelle Gemeinsamkeiten oder Diversität betonen. Zahlreiche Künstlerfeste überzeugten durch ein hochambitioniertes Konzept und wandten sich in einigen Fällen zudem explizit an die anvisierte Käuferschaft.
Welche Handlungsspielräume des individuellen Künstlers bzw. des Künstlerkollektivs wurden durch den Festablauf ausgeschöpft? Wie sind die Möglichkeiten der Auto- bzw. Gruppenrepräsentation und die Konstruktionen der geschlechtlichen Identität innerhalb der unterschiedlichsten Feste zu definieren?
Während das Thema der höfischen und städtischen Festkultur(en) auf eine produktive Forschungstradition zurückblickt, ist die Geschichte des Künstlerfestes mit all seinen Implikationen, Kontinuitäten und Zäsuren bislang noch nicht erschöpfend behandelt worden.

 

BilderGewalt

 

Zerstörung – Zensur – Umkodierung –Neuschöpfung

Birgit Münch / Andreas Tacke / Markwart Herzog / Sylvia Heudecker (Hrsg.)

Michael Imhof Verlag GmbH & Co. KG, Petersberg 2018, 176 Seiten, 74 Abbildungen.
ISBN  978-3-7319-0646-9 
Preis: 39,95 € (in jeder Buchhandlung erhältlich) 

BilderGewalt. Kaum ein die Kunst betreffendes Thema erscheint in Tagen der Präsenz des sogenannten Islamischen Staates so virulent wie die Gewalt am Bild und durch Bilder. Die medial verbreitete Zurschaustellung und Inszenierung des im Irak und Syrien herrschenden Terrorregimes waren mit ein Anlass, sich interdisziplinär dem Themenfeld der Bildzerstörung zu nähern, und dies von der Antike bis zur Postmoderne. Darüber hinaus eröffneten die aktuellen Forschungen zum Bildverständnis der Reformationszeit im Jubiläumsjahr 2017 neue Zugangswege und regten zu einer breiteren Analyse des Phänomens an. 

Im vorliegenden Band ist der Fokus daher bewusst weit gefasst, sodass nicht nur der eigentliche Ikonoklasmus, sondern auch die Themenbereiche der Zensur, der Umkodierung sowie der Neuschöpfung von Kunst in den Blick genommen werden. Gerade in der Vormoderne ist die Kunst von Zensur und Umkodierung geprägt: Bei letzterem bleibt das Artefakt zwar meist erhalten, wird aber im Zuge seiner Neubearbeitung in einen veränderten Kontext gestellt.

In der modernen und zeitgenössischen Kunst findet sich die Zerstörung und Auflösung des Kunstwerks darüber hinaus als dessen konzeptioneller Bestandteil – ausgehend vom Künstler, vom Publikum oder auch vom Artefakt selbst.

Künstlerinnen

Neue Perspektiven auf ein Forschungsfeld der Vormoderne

Birgit Münch / Andreas Tacke / Markwart Herzog / Sylvia Heudecker (Hrsg.)

Michael Imhof Verlag GmbH & Co. KG, Petersberg 2017, 240 Seiten, 116 Abbildungen.
ISBN  978-3-7319-0520-2
Preis: 39,95 € (in jeder Buchhandlung erhältlich) 

Künstlerinnen. Der Begriff schließt in dem vorliegenden Band sämtliche künstlerischen Tätigkeitsbereiche ein: vom Dilettieren im Verborgenen hin zu unternehmerischem Broterwerb, etwa als Werkstattleiterin, oder im höfischen Kontext bzw. an Kunstakademien. Trotz intensiver historischer Genderforschung verläuft die Beschäftigung mit den Viten wichtiger Künstlerinnen weit weniger produktiv. Schon vor Jahrzehnten wurden die kulturellen Praktiken offen gelegt (wie durch Linda Nochlin, 1971: „Why have there been no great women artists?“), die Künstlerinnen zu einem ›Sonderfall‹ degradierten und ›unsichtbar‹ machten. Die vereinzelte Aufmerksamkeit, die einige Persönlichkeiten fanden, änderte daran nichts. Für die Künstlersozialgeschichte bleibt das Thema der vormodernen Künstlerin ein hochinteressantes Forschungsfeld, welchem hier – mit Ausblick in die Moderne – nachgegangen wird.

Von kurzer Dauer?

 

Fallbeispiele zu temporären Kunstzentren der Vormoderne 

Birgit Münch / Andreas Tacke / Markwart Herzog / Sylvia Heudecker (Hrsg.)

Michael Imhof Verlag GmbH & Co. KG, Petersberg 2016, 184 Seiten, 107 Abbildungen.
ISBN  978-3-7319-0351-2
Preis: 39,95 € (in jeder Buchhandlung erhältlich) 

Im Mittelalter und der Frühen Neuzeit waren es vor allem wechselnde Ereignisse, die Auftraggeber, Käufer und Künstler zeitweise an einem Ort zusammenführten. So bestimmte beispielsweise der Aufenthaltsort des Herrschers – hier weiter gefasst für jede Form der Amtsausübung – das Reiseziel, auch jenes des Künstlers.

Die vielfältigen intellektuellen, kulturellen aber auch stilistischen oder technischen Transferprozesse dieser temporären Kunstzentren werden ebenso angesprochen wie die Frage nach der Definition des ›Kongresskünstlers‹, der von einer Großveranstaltung zur anderen reiste, um seine Artefakte oder sein Können anzubieten. Die Beiträge belegen, dass das Fest, das Konzil, der Reichstag oder die Prozession zentrale Räume und Katalysatoren künstlerischen Austauschs waren.

 

Die Klage des Künstlers

Krise und Umbruch von der Reformation bis um 1800

Birgit Münch / Andreas Tacke / Markwart Herzog / Sylvia Heudecker (Hrsg.)

Michael Imhof Verlag GmbH & Co. KG, Petersberg 2015200 Seiten, 117 Abbildungen.
ISBN  978-3-7319-0204-1
Preis: 39,95 € (in jeder Buchhandlung erhältlich)

Die Klage des Künstlers. Die sprichwörtliche ›brotlose Kunst‹ hat zu allen Zeiten zur Klage von Künstlerinnen und Künstlern geführt, war es doch früher ebenso wie heute für viele nicht leicht, sich auf dem Kunstmarkt zu behaupten. Noch in weitaus stärkerem Maße war die Lebens- und Arbeitswelt des vormodernen Künstlers von tiefgreifenden Krisen und Umwälzungen geprägt. Hier ist insbesondere an die Reformation, den Dreißigjährigen Krieg, die Teilung der Niederlande oder an Epidemien zu denken. Der vorliegende Band stellt die Frage, wie sich der Künstler in Zeiten der Krise verhielt und welche Strategien er verfolgte, um sich auf die neue Situation einzustellen. Welche Rolle spielte Migration oder wie gestalteten sich Konfessions- und Ortswechsel? Der internationale Autorenkreis behandelt erstmals unter unterschiedlichen Prämissen die interessante Frage, wie die Künstlerklage artikuliert und formuliert worden ist und in welchem Rahmen sie zirkulierte. Neben schriftlichen Quellen der Künstlerklage, etwa Beschwerden beim Rat der Stadt, finden sich auch zahlreiche, jedoch bislang nicht in einen Forschungszusammenhang gebrachte visualisierte Formen der Künstlerklage, etwa in Form von Gemälden, Flugblättern oder Karikaturen.

Fälschung - Plagiat - Kopie

Künstlerische Praktiken in der Vormoderne

Birgit Münch / Andreas Tacke / Markwart Herzog / Sylvia Heudecker (Hrsg.)

Michael Imhof Verlag GmbH & Co. KG, Petersberg 2014
184 Seiten, zahlreiche Abbildungen.
ISBN 978-3-7319-0080-1
Preis: 39,95 € (in jeder Buchhandlung erhältlich)

Das Fälschen von Kunstwerken des 19. und 20. Jahrhunderts ist ein Thema, mit dem sich die kunstwissenschaftliche Forschung, aber auch das Feuilleton, die Kriminalistik, die Gerichte und nicht zuletzt die Sammler selbst seit Jahren intensiv auseinandersetzen. Von Kunstfälschern, die teilweise in groß angelegten Netzwerken agieren und in vielbeachteten Gerichtsverfahren verurteilt werden, geht eine ungewöhnliche Faszination aus. Im Gegensatz hierzu ist die Kunstfälschung der Vormoderne weitgehend unerschlossen. Der erste Band des Kunsthistorischen Forums Irsee widmet sich dem Thema von der Antike bis um 1800. Schon den Begriffen Fälschung und Kopie mangelt es bis zum Beginn der Moderne an definitorischer Schärfe. Kunstwerke wurden in der Vormoderne aus den unterschiedlichsten Gründen gefälscht und kopiert: keineswegs musste zwangsläufig die Schädigung von Dritten bezweckt gewesen sein. Anhand von unterschiedlichen Fälschungen aus dem Bereich der Druckgraphik, der Malerei und des Kunsthandwerks werden auch das Fälschen von Monogrammen sowie die Kopierpraxis in fürstlichen Sammlungen oder auch die strafrechtlichen Aspekte des Fälschertums in der frühen Neuzeit thematisiert und hiermit die unterschiedlichen, teilweise auch hybriden Spielarten des Plagiats, der Kopie und der Fälschung als bewusste Vortäuschung eines Originals aufgefächert.