Programm

 

Philosophie - Religion

Philosophie - Religion

Mythos – Tragik – Philosophie

Lebensdeutungen im antiken Griechenland

Wie können wir unser Leben deuten? – so fragen sich die Menschen schon seit jeher. In der griechischen Antike wurden dazu drei alternative Modelle entwickelt, die in einem spannungsreichen Verhältnis zueinander stehen: Mythos, Tragödie und Philosophie. Der Mythos basiert auf einem Verständnis von Lebens- und Weltzeit als einem ewigen Kreislauf: die bildhaft-epischen Gestaltungen einer göttlich durchwirkten Natur geben dem Menschen Geborgenheit, halten ihn aber auch in einem unentrinnbaren Schicksal fest. Im Konflikt der Tragödie entdeckt der Mensch die Freiheit, sich durch seine Vernunft von den Naturnotwendigkeiten zu lösen. Dabei muss er schmerzlich erkennen, dass die mythischen Urgewalten übermächtig bleiben. Die Philosophie beginnt, die in der Tragödie noch vorausgesetzte Götter-Kosmogonie des Mythos durch eine rein (natur-)wissenschaftliche Welterklärung zu überwinden. Dazu muss die menschliche Erkenntnisfähigkeit selbstkritisch abgesichert werden. Weil die Philosophie damit auch die Grenzen des Wissens in den Blick nehmen muss, öffnet sie sich – schon in Platons Gleichnissen –wieder den mythischen Bildwelten. Gerade in der (christlichen) Offenbarungsreligion, die sich als heilsgeschichtliche Ablösung der Mythen-Zyklen versteht, lebt die mythische Bildsprache verborgen weiter. Und selbst der moderne Mensch des Nihilismus deutet sich im Lichte mythischer Gestalten (Dionysos, Sisyphos). Kehrt im tragischen Moment von Philosophie und Wissenschaft der Mythos wieder?

No. 20063

06.11.2020 bis 08.11.2020

Beginn 17.00 Uhr
Ende ca. 12.30 Uhr

Preis:

inkl. 2x Vollpension DZ 239,00 € / EZ 272,00 € ohne Zimmer 173,00 €

Referent

Prof. Dr. Martin Thurner

Professor für Christliche Philosophie am Martin-Grabmann-Forschungsinstitut der Ludwig-Maximilians-Universität München