Irseer Arbeitskreis
für vorindustrielle Wirtschafts- und Sozialgeschichte
Die Erforschung der Wirtschafts- und Sozialgeschichte vorindustrieller Gesellschaften hat in Deutschland eine lange Tradition. Während die Sozialgeschichte vom Gegenpol zur klassischen Politikgeschichte zu einem Leitparadigma avancierte, findet die Wirtschaftsgeschichte nur noch wenig Interesse und droht mit der gegenwärtigen Favorisierung kulturgeschichtlicher Perspektiven zu einer Randerscheinung zu verkümmern.
Im Gegensatz zur Abkopplung sozial-, kultur- und geschlechtergeschichtlicher Fragestellungen von der Erforschung historischer Formen des Wirtschaftens in der deutschen Geschichtswissenschaft wird im europäischen Ausland ebenso wie in der amerikanischen Geschichtsforschung intensiv über „ökonomische Kulturen” bzw. „Kulturen des Marktes” geforscht und kontrovers diskutiert. Diese Diskussionen sollen durch den „Irseer Arbeitskreis” aufgenommen und weitergeführt werden.
Darüber hinaus besteht in Deutschland unter den Nachwuchsforscherinnen und -forschern der vorindustriellen Wirtschafts- und Sozialgeschichte ein erhebliches Kommunikationsdefizit. Um der Zersplitterung des Fachgebiets entgegenzuwirken und Fragen des Wirtschaftens wieder stärker in die Diskussion über die Geschichte mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Gesellschaften einzubringen, wurde der Arbeitskreis im März 2001 eingerichtet; er tagt seither einmal jährlich im Frühjahr in Kloster Irsee zu einem von den Teilnehmenden ausgesuchten Themenkomplex. Dabei stellen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, insbesondere aus dem Nachwuchs, ihre Forschungsprojekte durch Vorträge und Diskussionen einem Fachpublikum und der historisch interessierten Öffentlichkeit vor.
Programme und Berichte der bisherigen Tagungen können im Internet unter http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de in den Archiven der Rubriken „Termine” und „Tagungsberichte” abgerufen werden.
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